Buchrezension „Pipi.Kacka. Gut gewickelt – ruckzuck windelfrei“

„Was wir bis dahin meist nicht mal im Kreise unserer Lieben besprochen haben, wird plötzlich zum alles bestimmenden Thema: Wie dürfen Babys Ausscheidungen aussehen? Wie riechen? Wie oft ist zu oft? Wie selten zu selten? Windeln wegwerfen oder waschen? Wie lange darf oder soll das Wickeln überhaupt gehen? Kann man beim Töpfchentraining etwas falsch machen? Und darf man das überhaupt noch, das mit dem Töpfchentraining? Fragen über Fragen…“

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Und Tatje Bartig-Prang, Kulturwissenschaftlerin und Autorin des Buches „Pipi.Kacka. Gut gewickelt – ruckzuck windelfrei“ gibt locker und völlig undogmatisch Antworten und Lösungsvorschläge zum Windeldilemma an die Elternhand. Von Kindspech über Still- und Beikoststuhl, von Windelsystemen bis Töpfchentraining, von Sauber und Trocken werden bis windelfrei, das Buch gibt einen Überblick über das Babythema schlechthin: Pipi und Kacka eben.

Pipi.Kacka. holt die Eltern da ab wo sie stehen: Wie fing das eigentlich an mit den Wegwerfwindeln? Wie kommt es, dass viele unserer Großmütter oder vielleicht noch unsere eigenen Eltern mit Stoffwindeln wickelten und diese dann plötzlich fast komplett vom Markt und aus den Elternköpfen verschwanden? Und wie kann es sein, das 90 % der Babys weltweit fast gänzlich ohne Windeln auskommen? Wer profitiert davon, wenn Kinder möglichst lange in die Windel defäkieren und urinieren, oder (Entschuldigung!) Kacken und Pickeln? Aber: Geht’s vielleicht auch anders?

Außerdem: Wie soll er aussehen, der Babystuhl? Wie riechen? Welche Konsistenz istProduktfotos-22 richtig? Frau Bartig-Prang schafft es bei diesem delikaten Thema einen humorvollen Stuhlkreis mit einer K.A.C.K. – Formel aufzumachen, der einem beim Lesen schon Lachfalten macht.

Auch bietet das Buch einen schönen Überblick über alle gängigen Stoffwindelsysteme: Der Leser bekommt praktische Tipps zur Menge der benötigten Windeln, zu verschiedenen Materialien, zum Waschen und zum Alltag mit Stoffwindeln geboten. Stoffwindeln müssen nicht kompliziert sein: sie sind sogar ziemlich einfach, schonen den zarten Babypo und den Geldbeutel, machen Spaß, sind schön und bunt, nachhaltig und ökologisch – eine echte Alternative zur Wegwerfwindel!

stoffwindelworkshop sc+aUnd wie bekommt man dann nach einer angemessenen Anzahl von Jahren die Windel, ob Stoff oder Plastik, vom Kinderpo? Und wie lange ist angemessen? Trocken und Sauber werden, das große Thema des dritten Lebensjahres (meistens zumindest) wird schnell zum Streitthema, auch was die Definition angeht. Eltern stellen sich, egal welche Definition sie als zutreffend empfinden, jedoch trotz allem die Frage, wann es höchste Zeit ist um Trocken und Sauber zu werden? Die Autorin zieht hier Experten zu Rate: Die Ärztin, Windefrei-Mama und Bloggerin Christina Baris argumentiert: „Es ist ein medizinisches Ammenmärchen, dass Blase und Darm quasi wie eine Blackbox im Unterleib der Babys sitzen. Unsere Kleinsten kommen kompetent auf die Welt; sie spüren und fühlen ihre Körpervorgänge. Auch können sie sich von Anfang an mitteilen – wir müssen nur genau hinhören und sie beim Sauberbleiben begleiten!“. Das Fazit zur physiologischen Töpfchenreife lautet: Es gibt sie so gar nicht! Wir als Eltern können unserem Baby also von Geburt an helfen, sauber und trocken zu bleiben. Ab dem ersten Lebensjahr ist ein Baby meist selbst in der Lage sich zu einem Ort zu bewegen und sich dort zu entleeren. In anderen Kulturen ist das das Signal zur „Töpfchenreife“.

Abschließend geht es um das schon häufig angeschnittene Thema „elimination communication“ oder die nicht ganz so passende deutsche Übersetzung „windelfrei“, oder eben auch nicht. „Windelfrei heißt nämlich gar nicht so, weil man keine Windeln benutzen darf – windelfrei heißt so, weil man keine Windeln benutzen muss.“. Viele Kinder, die Windelfrei aufwachsen tragen ein sogenanntes Back-up, meist eine Stoffwindel.

Stoffwindel-Geschichte
Quelle: flickr.com @bmkinz

Ausscheidungskommunikation, das große Zauberwort, ist eigentlich etwas, das viele Eltern schon machen: Die meisten merken, meist am Gesicht oder an den Geräuschen des Kindes, das da gerade was in die Windel gegangen ist, Windelfrei setzt nur einen Schritt dazwischen: Pipi und Kacka geht nicht in die Windel, sondern (im Idealfall) in ein Waschbecken, die Toilette, in ein Töpfchen oder an einen Baum.

Doch wie geht das mit dem Abhalten in der Praxis, welche Hilfsmittel sind sinnvoll und wie sieht er überhaupt aus der windelfreie Tag, wie die ersten windelfreien Monate, das windelfreie erste Jahr? Auf all das gibt „Pipi.Kacka.“ Antworten und ermutigt auch bei Unfällen gelassen zu bleiben und sich nicht zu stressen lassen, denn: „Windelfrei ist keine Prüfung!“

Was wir besonders mögen an diesem Buch: Es ist ein Allrounder. Tragen, Stillen nach Bedarf und das Familienbett finden genauso Platz, wie Stoffwindeln und Trocken beziehungsweise Sauber werden. Tatje Bartig-Prang schafft es durch viel Witz und Humor und ihre leichte und lockere Sprache den großen Bogen der bedürfnisorientierten Elternschaft aufzumachen und holt „windelfrei“ aus der super-alternativen-völlig-abgefahrenen-unmöglich Elternecke und macht das Thema so hoffentlich für noch viel mehr Eltern und ihre Babys zugänglich. Absolute Leseempfehlungen für ALLE Eltern!