„Luxus“ Hausgeburt

von Susanne Mierau

Geburten, die nicht in der Klinik stattfinden, sind heute nicht allzu oft anzutreffen. Dabei gibt es viele Alternativen zur Geburt im Krankenhaus: Geburtshäuser, Geburtspraxen oder eben die Hausgeburt. Oftmals mangelt es an Aufklärung darüber, was genau bei der Geburt abläuft, damit nicht die bei uns weit verbreitetste Variante, das Krankenhaus, gewählt wird. Geburten, so wird uns heutzutage häufig suggeriert, müssen medizinisch überwacht und begleitet werden. Viele Frauen haben nicht den Glauben daran, dass die Geburt eine der natürlichsten Sachen der Welt ist und sie deswegen auf sich und ihren Körper vertrauen können. Selbstverständlich gibt es auch Geburten, bei denen ein Klinikaufenthalt unbedingt angeraten ist, doch sind dies eher die Ausnahmen als die Regel.

In Martina Eirichs und Caroline Oblassers Buch „Luxus Privatgeburt. Hausgeburten in Wort und Bild“ kommen auf 380 Seiten Frauen, Paare und auch andere Familienmitglieder zu Wort und berichten von ihren Hausgeburten. Aufgeteilt in die Bereiche „Mütter mit begonnenen Hausgeburt“, „Mütter mit einer/zwei/drei/vier und mehr Hausgeburten“ können die Berichte von über 100 Geburten nachgelesen werden. Jeder Bericht ist durch ganz persönliche Fotos der Frau und/oder der Familie zusätzlich illustriert. Alle haben die gleichen Fragen zur Hausgeburt, zur Wahl der Hebamme und zu ihren Ängsten beantwortet. Zusätzlich gibt es weitere Beiträge von Gastautoren, die sich mit alternativen Geburtspraktiken beschäftigen. So entsteht eine Sammlung unterschiedlichster Schwangerschafts- und Geburtsberichte.

Viele der vorgestellten Familien haben sich erst nach einer Klinikgeburt bei einer weiteren Schwangerschaft für eine Hausgeburt entschieden. Bei den beschriebenen Hausgeburten wird eines deutlich: Jede ist anders und ganz zugeschnitten auf die unterschiedlichen Bedürfnisse. Bei einigen Frauen sind die kleineren Kinder mit bei der Geburt dabei, bei anderen nicht. Ein Geburtsbericht stammt von einem Großvater, der der Hausgeburt beiwohnen durfte. Manche Frauen haben sich für einen Geburtspool in den eigenen vier Wänden entschieden, andere für die Geburt im Wald. Manche mit, andere ohne Hebamme. Es sind zutiefst persönliche Berichte, die hier zusammen gestellt wurden und erkennen lassen: Geburt ist individuell und kann und sollte individuell gestaltet werden. Die Hausgeburt ist für all jene geeignet, bei denen es keine medizinischen Indikationen gibt, die die Geburt ins Krankenhaus verlagern müssen und diejenigen, die in ihrem privaten Bereich allein bestimmen möchten. Für Schwangere ist es ein wunderbares Buch, um sich dem Gedanken an eine alternative Geburt zu nähern und sich damit auseinander zu setzen, ob eine Hausgeburt vielleicht auch für sie in Frage kommen würde.

Für alle, die sich für die Hausgeburt entscheiden haben und ein größeres Kind darauf vorbereiten möchten, gibt es zudem das passende Kinderbuch: Unser Baby kommt zu Hause.  Hier wird die Geschichte von Lukas beschrieben, dessen Mutter schwanger ist und sich für eine Hausgeburt entscheidet. Auf 76 Seiten erfahren Kinder hier, wie das Baby von der Erbse zur Essiggurke und schließlich zur Wassermelone heran wächst, was die Aufgaben einer Hebamme sind und wie eine Geburt abläuft. Auch für Eltern gibt es hier den ein oder anderen Tipp und Erklärungen zu den wichtigsten Fachbegriffen.

Leider ist es jedoch heute so, dass die Hausgeburt zunehmend zu einem tatsächlichen „Luxus“ zu werden scheint, denn kaum noch Hebammen können es sich leisten, in der freien Geburtshilfe tätig zu sein durch steigende Versicherungsprämien. Wer sich für die individuelle Geburtshilfe einsetzen möchte, findet beim Hebammen für Deutschland e.V. weitere Informationen.

Wir wünschen Euch für Eure Geburten die selbstbestimmte Wahl des Ortes – wofür Ihr Euch auch immer entscheidet – und natürlich ganz wundervolle Geburten!